Liegenschaftsverwaltungsverträge

Der Aufbau von Liegenschaftsverwaltungsverträgen

1. Rahmenvertrag

Um die rechtlichen Fragen in Bezug auf den Aufbau von Liegenschaftverwaltungsverträgen zu erläutern, bedienen wir uns folgenden Beispiels: Eine grosse Grundstückeigentümerin (nachfolgend „Eigentümerin“) wie z.B. eine Bank oder eine Pensionskasse hält eine Geschäftsimmobilie. Es geht der Eigentümerin primär um die Rentabilität aus der Vermietung der Immobilie. Sie will sich nicht mit dem täglichen Geschäft auseinandersetzen müssen. Sie kann dafür auf die Dienste eines Facility-Management-Unternehmens zurückgreifen.

Zwischen der Grundstückeigentümerin und dem Facility-Management-Unternehmen wird ein übergeordneter Rahmenvertrag abgeschlossen, der die Vertragsparteien und das zu bewirtschaftende Grundstück benennt sowie weitere Punkte wie Bedingungen, Zahlungswesen, Vertragsdauer, Versicherungen und Haftungsbegrenzungen, Rügefristen, usw. enthält. Zudem werden auch einzelne, modular aufgebaute und untergeordnete Verträge abgeschlossen. Diese nennt man „Service Level Agreements“ (SLA). Die Service Levels (SL) umschreiben spezifische Dienstleistungen wie z.B. die administrative Verwaltung der Immobilie, die Reinigung, die Sicherheit, das Catering, die Aufzüge oder die Gebäudetechnik.

2. Rahmenvertrag

Rechtlich gesehen handelt es sich beim Rahmenvertrag um einen Auftrag. Beim Auftrag ist ein Tätigwerden des Beauftragten im Interesse des Auftraggebers geschuldet. Dadurch, dass das Facility-Management-Unternehmen (Beauftragter) dauernd für die Grundstückeigentümerin (Auftraggeber) tätig ist, liegt grundsätzlich ein Dauervertrag vor. Das Element der Dauer ist zwar eher für eine Unterform des Auftrags (Agenturvertrag) typisch, hindert aber nicht daran, den Rahmenvertrag als Auftrag zu qualifizieren.

3. Service Level Agreement

Da SLA verschiedene Dienstleistungen zum Objekt haben können, kann deren rechtliche Qualifikation unterschiedlich ausfallen. Grundsätzlich werden sie entweder dem Auftragsrecht oder dem Werkvertragsrecht unterstellt oder sie stellen einen gemischten Vertrag dar. Sich dieser Unterscheidung bewusst zu sein, ist bei der Erstellung der SLA bedeutend, weil je nach Qualifikation verschiedene Rechtsfolgen wie z.B. die Rügemöglichkeiten oder die Kündigungsmöglichkeiten sich unterscheiden. Wichtig ist weiter die Festlegung, ob die SLA nur die Modalitäten des Rahmenvertrages näher ausführen oder ob die Leistungspflichten erst in den jeweiligen SLA überhaupt genau definiert werden. Zudem ist darauf zu achten, dass sich der Rahmenvertrag und die SLA nicht widersprechen (z.B. bzgl. Haftungsbeschränkungen und Rügefristen).

3.1. SLA als Auftrag

Wie bereits oben erwähnt, ist beim Auftrag ein Tätigwerden des Beauftragten im Interesse des Auftraggebers geschuldet. Falls ein SLA als Auftrag zu qualifizieren ist, so handelt es sich um einen Auftrag im Rahmen eines übergeordneten Auftrags, dem Rahmenvertrag. Merkmale, die auf einen Auftrag hinweisen sind das Befolgen von Weisungen, die Vertretung von Interessen, das Fehlen eines Erfolgsversprechens und generell „managende“ Tätigkeiten. Der Beauftragte übernimmt im Unterschied zum Werkhersteller eine Sorgfaltshaftung, also eine Haftung für das getreue und sorgfältige Ausführen der Geschäfte, nicht aber eine Erfolgshaftung.

Beim Auftrag ist es zwingendes Recht, dass die Kündigung jederzeit erfolgen kann. Dieses jederzeitige Kündigungsrecht ist bei Liegenschaftsverwaltungsverträgen in der Lehre umstritten. Das Bundesgericht bejaht aber diese zwingende Natur bei Auftragsverhältnissen und bei gemischten Verträgen mit Auftragselementen. Somit gilt das jederzeitige Kündigungsrecht für den Rahmenvertrag und für SLA, die als Auftragsverhältnis oder als gemischter Vertrag mit Auftragselement (siehe zu diesem Vertragstyp weiter unten) zu qualifizieren sind.

Für den Fall einer vorzeitigen Auflösung kann im auftragsrechtlich qualifizierten SLA eine bestimmte Entschädigungssumme festgelegt werden, aber nur für den Fall der Kündigung zur Unzeit, da es nicht gestattet ist, das jederzeitige Widerrufsrecht durch Konventionalstrafen oder andere Mittel zu erschweren. Es geht darum, dass das Facility-Management-Unternehmen aufgrund des Auftrages organisatorische Massnahmen vorgenommen und Unkosten auf sich genommen hat, die nicht unbedingt durch das Honorar gedeckt sind. Mit der Entschädigungssumme sollen die negativen finanziellen Folgen der Beendigung des Auftrags abgefedert werden.

3.2. SLA als Werkvertrag

Im Gegensatz zum Auftrag ist bei einem Werkvertrag nicht „nur“ ein tätig werden, sondern ein Arbeitserfolg geschuldet: ein körperliches oder unkörperliches Werk. Das Ergebnis verfügt über objektiv messbare Eigenschaften. Der Werkvertrag ist grundsätzlich kein Dauervertrag. Er kann weder durch Zeitablauf noch durch Kündigung ordentlich beendigt werden. Auch wenn Leistungen wiederholt erbracht werden müssen, spricht dies nicht gegen einen Werkvertrag. Das Bundesgericht argumentierte in BGE 130 III 458, dass bei der Wartungsarbeit von Feuerlöschern ein objektiv messbarer Erfolg garantiert werden kann, weshalb trotz Dauer und wiederkehrender Leistung der Wartungsvertrag als Werkvertrag zu betrachten sei. Konkret bedeutet dies für SLA, die eine Wartungsleistung umfassen (wie z.B. Feuerlöscherwartung, qualifizierte Reinigung einer Arztpraxis, Entsorgung von Chemikalien), dass sie dem Werkvertragsrecht unterstehen. Gemäss den allgemeinen Mängelrechten des Werkbestellers gemäss OR hat die Grundstückeigentümerin das Werk / die Arbeit des Facility-Management-Unternehmens nach Ablieferung des Werks oder Erledigung der (Wartungs-)Arbeit umgehend zu prüfen. Bei kleineren Mängeln kann die Grundstückeigentümerin eine Herabsetzung des Preises oder die unentgeltliche Nachbesserung verlangen. Hat das Werk aber erhebliche Mängel oder weicht es so sehr vom Vertrag ab, dass es unbrauchbar ist, kann sie die Annahme verweigern und Schadenersatz vom Facility-Management-Unternehmen fordern, falls dieses seine Unschuld nicht beweisen kann.

3.3. SLA als gemischter Vertrag

Schliesslich gibt es auch SLA, die nicht direkt dem Auftrags- oder Werkvertragsrecht unterstellt werden können oder die Leistungen aus dem Auftrags- und dem Werkvertragsrecht enthalten und als gemischte Verträge zu qualifizieren sind. Für solche sind es die konkreten vertraglichen Vereinbarungen, die in erster Linie deren Inhalt und deren Rechtsfolgen bestimmen. Falls eine Lücke im Vertrag besteht stellt sich dann die Frage, welches Recht subsidiär zur Anwendung kommt. In einem solchen Fall wird die spezifische Dienstleistung, um welche es im Rechtsstreit geht, analysiert und abstrahiert um danach zu entscheiden, welche Normen subsidiär anzuwenden sind.

4. Beispiel für ein SLA

In den eckigen Klammern, die im echten SLA nicht stehen würden, befindet sich die jeweilige rechtliche Qualifikation:

SLA Nr. 12 Zugang
Ziele der Dienstleistung –     Zugang durch nicht autorisierte Personen unterbinden

–     Effiziente Mitarbeiterverifizierung

In der Pauschale enthaltene Leistungen –     Betreiben eines Zugangssystem mit elektronischen Karten [Auftrag]

–     Übergabe von Schlüsseln und elektronischen Karten an Mitarbeiter [Werkvertrag]

–     Registrierung der elektronischen Karten [Werkvertrag]

–     Programmieren der elektronischen Karten [Werkvertrag]

Preis: CHF 3‘600.- pro Monat
Zusätzliche Leistungen –     Ersatz von defekten Karten (variable Dienstleistung) [Werkvertrag] Preis: CHF 100.- pro Karte
–     Mitarbeiterausbildung [Auftrag] Preis: CHF 500.– pro Stunde für 1-6 Personen
Bemerkungen –     Reparatur von elektrischen Anschlüssen nicht inbegriffen

 

Wie im Beispiel ersichtlich, können in einem SLA unterschiedlich zu qualifizierende Dienstleistungen eingeschlossen werden. Bei einer Streitigkeit kann nicht der SLA gesamthaft entweder dem Auftragsrecht oder der Werkvertragsrecht unterstellt werden. Diese Unterscheidung hat bei den einzelnen Dienstleistungen zu erfolgen.

Schliesslich ist zu bemerken, dass SLA viel komplexer sein können als im obigen Beispiel. Sie können mit Führungswerkzeugen und –indikatoren ergänzt werden (wie z.B. Key Performance Indicators oder je nach Ereignis oder erreichten Schwellwert abgestufte Massnahmen).

 

Xavier Bédat, M.A. HSG, +41 52 269 21 17, bedat@m.win.ch

Kristina Grishina, BA in Business Administration ZHAW, grishina@m-win.ch

 

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Pflichten des Mieters bei Rueckgabe der Sache

von Martin Rechtsanwälte GmbH (E-Mail: sekretariat@m-win.ch, Tel.+41 52 269 21 11)

Nach Art. 267 Abs. 1 OR muss der Mieter die Sache in dem Zustand zurückgeben, der sich aus dem vertragsgemässen Gebrauch ergibt.

Der Mieter haftet nicht für sich aus der vertragsgemässen Benützung ergebende Abnützung der Sache. Andererseits haftet der Mieter für Schäden aus vertragswidrigen (vgl. Art. 257f OR, Art. 259 OR und Art. 262 OR) oder unsorgfältigen Handlungen. Ergibt sich bei der Beendigung des Mietverhältnisses eine erhöhte Abnützung, so hat der Mieter verhältnismässig für die übermässige Abnützung Ersatz zu leisten; die obere Grenze der Haftung bildet daher bei Ersatzanschaffungen (nicht aber bei Reparaturkosten) der Zustandswert der Sache (Honsell/Vogt/Wiegand, Basler Kommentar, Obligationenrecht I, Art. 1-529 OR, 4. Auflage, 2007 Basel, Art. 267 N 4). Will der Vermieter den Mieter für die entstandenen Beschädigungen und übermässige Abnützung belangen, muss er Bestand und Umfang des Schadens beweisen (Art. 8 ZGB). Der Vergleich zwischen dem Antritts- und dem Rückgabeprotokoll ermöglicht es, den Umfang der Schäden nachzuweisen (Schweizerischer Verband der Immobilienwirtschaft – SVIT, Schweizer Schriften zur Immobilienwirtschaft, Das schweizerische Mietrecht, 3. Auflage, 2008 Zürich, Art. 267 OR S. 493).

interessiert mich (E-mail an Martin Rechtsanwälte; wir melden uns)

Missbraeuchliche Untermietbedingungen als Verweigerungsgrund zur Untermiete

von Martin Rechtsanwälte GmbH (E-Mail: sekretariat@m-win.ch, Tel.+41 52 269 21 11)

Dem Mieter steht ein zwingendes Recht auf Untervermietung der Sache zu (Art. 262 Abs. 1 OR). Voraussetzung für die Zulässigkeit ist die Zustimmung des Vermieters. Dieser darf seine Zustimmung unter anderem verweigern, wenn die Bedingungen der Untermiete im Vergleich zur Hauptmiete missbräuchlich sind (Art. 262 Abs. 2 lit. b OR). Missbräuchliche Untermietbedingungen im Sinne von Art. 262 Abs. 2 lit. b OR liegen dann vor, wenn die Konditionen des Untermietvertrags im Vergleich zu denjenigen des Mietvertrags für den Untermieter wesentlich ungünstiger sind, ohne dass dafür ein sachlicher Grund besteht (Gauch/Aepli/Stöckli, Präjudizienbuch OR – Die Rechtsprechung des Bundesgerichts, 7. Auflage, 2009 Zürich, OR 262 N 6). Wenn die Differenz zwischen dem vom Mieter bezahlten und dem vom Untermieter verlangten Mietzins pro Zimmer 30 bis 40% beträgt, ist die Missbräuchlichkeit zu bejahen (BGE 119 II 359 ff. E. 6, Gauch/Aepli/Stöckli, Präjudizienbuch OR – Die Rechtsprechung des Bundesgerichts, 7. Auflage, 2009 Zürich, OR 262 N 3). Werden mit dem erhöhten Untermietzins zusätzliche Leistungen oder Investitionen des Mieters in üblicher Höhe abgegolten, liegt kein Missbrauch vor (Müller-Chen/Huguenin/Girsberger, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Vertragsverhältnisse 1 – Innominatkontrakte – Kauf, Tausch, Schenkung, Miete, Leihe – Art. 184 -318 OR, 2. Auflage, 2012 Zürich, OR 262 N 6). Geringfügige Untermietzinsgewinne sind zulässig, auch wenn sie sachlich nicht gerechtfertigt sind. Bei unbewilligter oder zu Recht verweigerter Untermiete hat der Mieter den dadurch erzielten Gewinn dem Vermieter nach Art. 423 OR (Geschäftsanmassung) herauszugeben (Müller-Chen/Huguenin/Girsberger, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Vertragsverhältnisse 1 – Innominatkontrakte – Kauf, Tausch, Schenkung, Miete, Leihe – Art. 184 -318 OR, 2. Auflage, 2012 Zürich, OR 262 N 8). Holt der Mieter die Zustimmung zur Untermiete nicht ein und liegt ein Verweigerungsgrund zur Untermiete nach Art. 262 Abs. 2 OR vor, kann der Vermieter den Hauptmietvertrag entweder ordentlich oder gestützt auf Art. 257 f. OR nach vergeblicher Abmahnung des Vermieters (Aufforderung zur Beendigung der Untermiete) ausserordentlich mit einer Frist von 30 Tagen auf Ende eines Monats kündigen (Müller-Chen/Huguenin/Girsberger, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Vertragsverhältnisse 1 – Innominatkontrakte – Kauf, Tausch, Schenkung, Miete, Leihe – Art. 184 -318 OR, 2. Auflage, 2012 Zürich, OR 262 N 5; Higi, Kommentar zum schweizerischen Zivilrecht (Zürcher Kommentar), Bd. V/2b, Die Miete, Art. 253-265 OR, 3. Auflage, 1994 Zürich, OR 262 N 49). Bei Wohn- und Geschäftsräumen ist zudem für eine solche Kündigung die Verwendung des amtlichen Formulars vorgeschrieben (Kren Kostkiewicz/Nobel/Schwander/Wolf, OR Handkommentar, Schweizerisches Obligationenrecht, 2. Auflage, 2009 Zürich, OR 257f N 4). Der gegen die berechtigte Verweigerung verstossende Mieter wird zudem dem Vermieter aus Schlecht- bzw. Nichterfüllung des Vertrages (Art. 97 OR) ersatzpflichtig für den Schaden, der dem Vermieter aus der unzulässigen Untervermietung entstanden ist, unabhängig davon, ob das Hauptmietverhältnis durch Kündigung aufgelöst wird oder nicht (Higi, Kommentar zum schweizerischen Zivilrecht (Zürcher Kommentar), Bd. V/2b, Die Miete, Art. 253-265 OR, 3. Auflage, 1994 Zürich, OR 262 N 50).

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Erlischt das Wohnrecht infolge Nichtausübung?

Das Wohnrecht gibt der berechtigten natürlichen Person die Befugnis, in einem Gebäude oder in einem Teile einer solchen Wohnung zu nehmen. Es ist ein unübertragbares und unvererbliches Recht. Im Gegensatz zur Miete, die einen obligatorischen Charakter hat, gilt das Wohnrecht als beschränktes dingliches Recht gegenüber jedermann und entsteht durch Grundbucheintrag. Was geschieht nun, wenn die berechtigte Person ihr Wohnrecht nicht ausübt?

Im Gesetz ist keine Verwirkungsverjährung wegen Nichtbenutzung durch den Berechtigten vorgesehen. Die Nicht-Ausübung führt an sich nicht zum Untergang des Wohnrechts. Die fehlende Ausübung des Wohnrechts durch die berechtigte Person kann dennoch gewisse rechtliche Folgen haben: je nach dem Grund der Nicht-Ausübung sind drei Konstellationen zu unterscheiden:

  1. Der Grund liegt in der Unmöglichkeit des Ausübung des Wohnrechts. Die berechtigte Person kann ihr Recht u.U. aus Gründen nicht mehr ausüben, die in ihrer Person liegen, so bspw. wenn sich ein Aufenthalt in einem Pflege- oder Altersheim aufdrängt (ohne jegliche Rückkehrmöglichkeit in ihre Wohnung). In diesem Fall hat für sie das Wohnrecht keinen Nutzen mehr, da eine Übertragung (der Ausübung) ausgeschlossen ist. Es kann deshalb angenommen werden, dass das Wohnrecht endigt. Der Eigentümer kann aufgrund von Art. 976 (bzw. 976a falls die rechtliche Lage bzgl. Unmöglichkeit der Ausübung des Wohnrechts als zu unklar erscheint) oder 736 ZGB die Löschung verlangen.
  2. Die berechtigte Person verzichtet durch konkludentes Verhalten auf das Wohnrecht. Das konkludente Verhalten hat hohen Anforderungen zu genügen. Ein solcher Verzicht könnte bspw. angenommen werden, wenn die berechtigte Person ihr Recht während längerer Zeit nicht ausgeübt und sich in Handlungen des Eigentümers, die eine Ausübung des Rechts verhinderten, nicht entgegenstellt hat. Der Eigentümer kann jedoch nicht selbst die Löschung der Eintragung verlangen (Art. 963 Abs. 2 ZGB); dazu bedarf es der formellen Zustimmung (Art. 964 ZGB) des Berechtigten oder, bei deren Fehlen, einer entsprechenden gerichtlichen Feststellung des Rechtsverlusts.
  3. Die berechtigte Person ist nicht gehalten, ihr Recht auszuüben. Kann die Nicht-Ausübung nicht als Verzicht gewertet werden, so darf der Eigentümer keinesfalls die Löschung verlangen und jedes dahinführende Begehren ist ausgeschlossen. Dem Eigentümer bleibt aber das Vorgehen gem. Art. 736 Abs. 2 ZGB vorbehalten, wonach das Wohnrecht gegen Entschädigung ganz oder teilweise abgelöst werden kann, wenn ein Interesse der berechtigten Person zwar noch vorhanden, aber im Vergleich zur Belastung von unverhältnismässig geringer Bedeutung ist.

M.A. HSG Xavier Bédat              Version Juni 2016

Martin Rechtsanwälte GmbH steht Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung.

Quellen:  Michel Mooser: BSK ZGB II; 3. A. 2007 Basel, Art. 776 N 39-42; Vito Roberto / Stephanie Hrubesch-Millauer: Sachenrecht, 2009 Bern, N 538-549

Naturallohn

von hansrudolf.metzger@msmgroup.ch, Tel. +41 (52) 269 21 05

Üblich ist die Entschädigung in Geldlohn. Rechtlich zulässig ist jedoch auch die Abgeltung in Naturallohn, sofern dies vereinbart ist.

Der Naturallohn spielt als Nebenleistung oft eine Rolle: gratis Verpflegung und/oder Unterkunft gilt als Lohnbestandteil und ist sowohl sozialversicherungspflichtig wie steuerpflichtig. Naturalleistungen sind also geldwerte Leistungen, die nicht in Form von Geld ausbezahlt werden.

Was gehört zu Naturalleistungen?

·         Ein Hauswart bewohnt eine Firmenwohnung und bezahlt dafür keine Miete. Die ortübliche Miete ist ein Lohnbestandteil.

·         Eine Mitarbeiterin in einem Pflegeheim erhält gratis Mittagessen.

·         Eine Versicherungsagentin kann das Geschäftsauto auch privat gebrauchen, ohne dafür eine Entschädigung bezahlen zu müssen.

·         Eine Firma schenkt den Mitarbeitenden das Generalabonnement, ohne dass dieses für Geschäftsfahrten verwendet wird.

·         Die Mitarbeitenden einer Firma erhalten Vergünstigungen beim Bezug von Mitarbeiteraktien.
Geringfügige oder unregelmässige Naturalleistungen lösen jedoch weder eine Sozialversicherungs- noch eine Steuerpflicht aus. Dazu gehören:

·         Halbtaxabonnement

·         Geschäftshandy

·         Unregelmässige Einladungen zum Essen

Andere Naturalleistungen sind betragsmässig beschränkt wie:

·         Naturalgeschenke, die weniger als CHF 500,- im Jahr (AHV) resp. pro Ereignis (Lohnausweis) ausmachen.

·         Branchenübliche Produktevergünstigungen wie Zinsvergünstigungen, Einkaufsvorteile, etc., sofern die Produkte oder Dienstleistungen nur zum Eigengebrauch abgegeben werden und der Preis mindestens die Selbstkosten deckt.

·         REKA-Check-Vergünstigungen bis CHF 600,- pro Jahr (falls mehr ist der ganze Betrag AHV-pflichtig, hingegen nur der darüberhinausgehende Betrag steuerpflichtig).

·         Lunchchecks bis CHF 180,- pro Monat, wobei das Feld G (Kantinenverpflegung / Lunchchecks) im Lohnausweis anzukreuzen ist. Darüber hinaus gehende Vergünstigungen sind AHV- und steuerpflichtig.

Keine Naturalleistungen stellen die folgenden Vorgänge dar:

·         Eine Mitarbeiterin eines Hotels isst regelmässig am Arbeitsort und bezahlt dafür. Wird das Essen vergünstigt, so ist im Lohnausweis das Feld G (Kantinenverpflegung / Lunchchecks) anzukreuzen.

·         Ein Verkaufsleiter benutzt für die Geschäftsfahrten sein Privatauto und erhält dafür eine Entschädigung von CHF 0.70 pro Kilometer: es handelt sich um Spesen.

Verrechnung von Naturalleistungen

Der Betrag ist als Lohnbestandteil in der Lohnabrechnung aufzuführen und gehört zum sozialversicherungspflichtigen Einkommen. Damit der Betrag nicht ausbezahlt wird, ist eine Korrekturlohnart (z.B. „Korrektur Naturalleistungen“) zu verwenden, welche den Betrag wieder abzieht.

Spezialfall: Naturalleistungen gegen Verrechnung

Werden die Leistungen den Mitarbeitenden in Rechnung gestellt, so entfällt die AHV-Pflicht und mit Ausnahme der „Kantinenverpflegung/Lunchchecks“ (Feld G) die Deklaration im Lohnausweis. Dabei sind mindestens die AHV-Ansätze für Kost und Logis resp. der steuerliche Ansatz für die private Benutzung des Geschäftsautos den Mitarbeitenden in Rechnung zu stellen.

In den AHV-Ansätzen für Kost ist die Mehrwertsteuer bereits enthalten. Werden die AHV-Sätze für Mahlzeiten (nicht aber für Logis) verwendet, können diese noch um die Mehrwertsteuer reduziert werden (z.B. statt CHF 21.50 pro Tag sind dann mindestens CHF 19.90 in Rechnung zu stellen, da 108 % von CHF 19.90 = CHF 21.50. Die Abzüge für Unterkunft sind nicht mehrwertsteuerpflichtig und können nicht reduziert werden. Auch der Privatanteil Geschäftsauto versteht sind inkl. Mehrwertsteuer, womit die minimale Verrechnung ebenfalls um die Mehrwertsteuer reduziert werden kann.

  

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Unbezahlter Urlaub

von Elsbeth Martin, e.martin@msmgroup.ch, Tel. +41 (52) 269 21 02

Was ist beim beziehen eines unbezahlten Urlaubs besonders zu beachten.

Viele Arbeitnehmer gönnen sich irgendwann im Arbeitsleben einen unbezahlten Urlaub, sei dies für eine Weiterbildung, eine Auszeit, eine Reise etc.. Dabei gilt es zu beachten, dass  ein unbezahlter Urlaub, der länger als einen Monat dauert viele Auswirkungen auf den Versicherungsschutz nach sich zieht.

Familienzulagen: Wer unbezahlten Urlaub nimmt, erhält die Familienzulagen längstens für den laufenden und die folgenden drei Kalendermonate, sofern der Bruttojahreslohn das Minimum von CHF 7020 noch erreicht.

Lohndeklaration: Der durch den Arbeitgeber deklarierte Bruttojahreslohn vermindert sich durch den unbezahlten Urlaub – so werden weniger Beiträge einbezahlt, was je nach dem zu Beitragslücken bei der AHV, IV oder auch allfälligen Arbeitslosentaggeldern führen kann.

Ferien: Für jeden vollen Monat unbez. Urlaub verkürzt sich der Ferienanspruch um einen Zwölftel

Berufliche Vorsorge: In vielen Fällen bleibt der Arbeitnehmer noch 30 Tage gegen Invalidität und Tod versichert. Der Sparanteil für die Altersvorsorge wird in der Regel eingestellt. Meistens besteht die Möglichkeit auf eigene Kosten eine Versicherung gegen Invalidität und Tod auf begrenzte Dauer weiterzuführen

Unfallversicherung: Der Arbeitnehmer bleibt noch längstens 30 Tage im gleichen Umfang gegen Nichtberufsunfall versichert (Nachdeckung). Er kann den Schutz auf eigene Kosten beim Unfallversicherer des Arbeitgebers um 180 Tage verlänger (Abredeversicherung)

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